Susn Kohl Foto: Ramona Reuter

Als Künstlerin, Bildhauerin und Designerin liebe ich die Materie, Farbe, Raum und alles Handwerkliche. Ich glaube an die Magie der Dinge und dass sie Wissen transportieren können. Design und Ästhetik sehe ich als spannenden Weg, alltägliche Aufgaben zu erleichtern und sie zu haptisch erfreulichen Handlungen werden lassen.

Wer sich dreimal am Tag über eine geschickte Technik, ein tolles System oder einen gelungenen Gegenstand freut, freut sich oft. Zu Dingen und Objekten können langjährige Beziehungen entstehen, die das Leben bereichern. Wer nicht ständig neue Entscheidungen treffen oder sich mit neuen Anschaffungen beschäftigen muss, spart die eigenen Ressorcen.

Zu viele Dinge – zu wenig Wissen

Wir haben sehr viele Dinge – zu viele – und wissen nicht, wie wir damit umgehen können. Ich bin der Überzeugung, dass wir bisher fast nichts lernen über Ordnung schaffen, Struktur erfinden, Farben kombinieren und das, was einen guten Gegenstand ausmacht. Deswegen müssen wir so viel kaufen und verbrauchen damit unseren Platz, unser Geld und unsere Aufmerksamkeit.

Das „Wissen über Wahrnehmungen“ – Ästhetik im ursprünglichen Sinne – ist in unserer Kultur praktisch vergessen. In Ländern wie Japan, Schweden und Italien ist das unverzichtbarer Teil der Alltagskultur. Meine Mission ist es, den Wert der Dinge besser erkennen zu lassen. Mein Ziel ist es, den allgegenwärtigen Aufbewahrungs- und Kaufwahn zu stoppen und einen produktiven Umgang mit Objekten zu fördern.

Meine Geschichte – Die alte Villa

Aufgewachsen in einem alten Haus mit großem Dachboden und einer enormen Scheune voller interessanter Gegenstände aus alten Zeiten – Apothekerflaschen, Uhrwerke, Spielzeug, Daguerrotypien, Werkzeuge aber auch umfangreiche Sammlungen an Joghurtbechern, Schachteln und Schrauben – hatte ich das Gefühl, es ist alles da, ich muss es nur für mich passend machen.

Von meinem Vater als erfindungsreichem Ingenieur und meiner Mutter als stilbewusstem Hausvorstand habe ich gelernt zu handwerken, zu nähen und dass man fast alles selbst (um)bauen, bequemer und schöner machen kann. Ich habe als Kind viel gemalt und noch mehr gebastelt.

„Magische“ Objekte wie orientalische Spielbretter, spanische Fächer aus Spitze oder Ballkleider für die Barbiepuppe haben mich fasziniert. Da diese Dinge für mich unerreichbar waren, habe ich sie nachgebaut. Die Ergebnisse waren oft toll. Manche Projekte brauchten mehrere Anläufe – die Mutter hat drei Jahre hintereinander eine „antike“ Puppe zum Geburtstag bekommen, und erst die dritte war einigermaßen gelungen.

Die Kunst, mit wenig viel zu erreichen

Später habe ich als Malerin und Musikerin gelebt und Bildhauerei an der Münchern Kunstakademie studiert. Als Künstlerin hatte ich oft sehr wenig Geld und sah es als sportliche Herausforderung, mich und meine Freunde damit bestmöglich zu organisieren und ein gutes Leben zu führen. Ausstellungen und Veranstaltungen waren „mit nichts“ zu organisieren, damit bei einem Bildverkauf etwas übrigblieb. Das hat mich trainiert, mit Wenigem möglichst viel zu erreichen.

Angekommen im Business

Vor ein paar Jahren habe ich Kunstgeschichte und Philosophie studiert und arbeite seitdem als Kulturmanagerin in Unternehmen. Dort treffe ich fast immer auf veraltete Administrationen und umständliche Prozesse. Mit meinem Blick aus der „freien Wildbahn“ erkenne ich sofort, wenn etwas überflüssig im Weg herumsteht, Regeln oder Standards überholt sind oder Technik mehr behindert als nützt. Hier habe ich mein Talent zum Strukturieren erkannt und kann mein gestalterisches Wissen einsetzen.

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