Digitale Ordnung 1 – Grundlagen

Der andere Raum

Die digitale Welt erscheint uns anders als die analoge: Oft haben wir vor uns ein eng begrenztes viereckiges Fenster. Darin sind alle Informationen und Funktionen auf verschiedene Ebenen verteilt, nur zu erkennen an kleinen Symbolen. Hinter einem Icon verbirgt sich eine Datei oder es finden sich zahlreiche weitere Icons. Der digitale Raum weitet sich – mit mittlerweile fast unbegrenzten Speicherplatz – vor allem nach „hinten“.

Der Raum im Computer erstreckt sich also viel mehr in die Tiefe und weniger in die Breite als in der haptischen Welt.

Das bedeutet, wir bewegen uns häufig durch die verschiedenen Ebenen und orientieren uns fast nur mithilfe kleiner Symbole und Beschriftungen. Architektonisches Denken – „wer geht wann wie oft wohin und wo befindet sich was“ – ist daher besonders wichtig, um sinnvolle Strukturen anzulegen.

Stelle dir vor: Auf dem eigenen Rechner durch viele verwinkelte Treppen hinabzusteigen in einen imaginären Keller, wo wir einen langen finsteren Gang entlang tappen, links und rechts viele Türen, hinter denen das Gerümpel in Kisten lagert. Oder das Gefühl, einen hellen übersichtlichen Ort zu betreten, links die Werkstatt, vorne das Arbeitszimmer und im ersten Stock das Studio, leichtfüßig zu erreichen. Das meine ich mit „architektonischem Denken“.

>> Diese andere Dimension gilt es zu berücksichtigen, wenn du dich digital gut organisieren möchtest.

Beabsichtigte Ablenkung

Auf der Oberfläche von Laptop, Smartphone oder Tablet versammeln sich Dateien, Apps und Symbole. Auf dem Server liegen zig Ordner mit verschiedenem Inhalt. Auf jeder Ebene, die man durchschreitet, gibt es so viel zu identifizieren, dass man sich bald nicht mehr auskennt.

Das Durcheinander kommt nicht von ungefähr: Zum einen werden wir durch das Überangebot an Informationen durch das Aussehen von Onlineshops, sozialen Medien und Programmen auf eine Ästhetik von „Hey – tausende Möglichkeiten!“ richtiggehend abgerichtet, denn die Anbieter möchten alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen und halten. Viele Optionen aber sind nicht gleichbedeutend mit Freiheit.

So schaut es meistens aus 🙁

Zum anderen sind wir es aus der analogen Welt gewohnt, dass nebeneinandergelegte Dinge sich irgendwie leichter ordnen lassen. Es ist tatsächlich einfacher, alle Bücher, Papiere oder Fotos von einem echten Tisch beiseite zu räumen als auf dem Desktop die Daten sinnvoll zu gruppieren. Gerade aber dort ist die Oberfläche knapp bemessen.

Wir halten fest:

  • Der digitale Raum unterscheidet sich vom analogen Raum
  • Auf der Oberfläche haben wir wenig, in die Tiefe viel Platz
  • Architektonisches Denken bringt uns weiter, da wir uns viel „bewegen“

Wir beginnen damit, direkt an der Oberfläche nur die wichtigsten Dinge zu platzieren, damit wie uns bei einem idealen Gebäude gut zurechtfinden. Weniger Wichtiges verlagern wir nach hinten.

Für eine gute Orientierung ist es wichtig, die Oberfläche – sprich die obersten Ebenen deines digitalen Geräts – so übersichtlich wie möglich zu halten.

Konkret bedeutet das:

  1. Wähle ein ruhiges Hintergrundbild, z.B. uni in einer schattigen Farbe
  2. Je weniger Symbole auf dem Desktop, im Dock und auf dem Handy zu sehen sind, desto besser
  3. Lass nur die drei wichtigsten Ordner dauerhaft auf dem Desktop
Hier ist die Bahn frei! Ruhiges Hintergrundbild, wenige Symbole im Dock und nur drei Ordner auf dem Desktop
  1. Ruhiges Hintergrundbild: Vor einem gleichmäßigen Hintergrund lassen sich Symbole und Markierungen besser erkennen. Für einen Laptop eignet sich z.B. ein warmes Graublau besser als ein knalliges Blau mit kontrastreichem Motiv. Auf „schattigen“ Farben leuchten farbige Markierungen besonders schön. Für das Handy wähle ein Foto oder eine Grafik mit ruhigen Bildbereichen als Hintergrund. Unbedingt sollten es Farben oder Motive sein, die du sehr gerne siehst. Mache es dir so richtig angenehm beim Arbeiten!
  2. Symbole dezimieren: Handy-Apps platzieren sich standardmäßig auf den Startbildschirms. Gruppiere alle Apps, die du nicht täglich benutzt, in Ordnern wie „All“ (Wichtiges), „Klimbim“ (Shopping, Gelegentliches, Lustiges) oder „Schönes“ (Reisen, Freunde, Musik) . Verteile sie auf verschiedenen Seiten, so dass du jeweils nicht mehr als zwei Zeilen Apps oder Ordner auf einmal siehst. Programme auf dem Rechner tauchen gerne als Symbol im Dock auf. Bereinige das Dock soweit du kannst bis auf die Programme, die du ständig verwendest. Alle anderen findest du fortan leicht im Ordner „Programme“.
  3.  Drei wichtigste Ordner: Der erste Ordner auf dem Desktop ist dein Hauptordner mit allen administrativen Daten und Hauptaufenthaltsort von Projekten. Weiter lege zwei Ordner der wichtigsten Projekte, an denen du gerade arbeitest, auf deinen digitalen Schreibtisch. Mehr „Struktur“ sollte sich nicht auf deinem Desktop befinden!
    Die aktuellen Projektordner kannst du bei Bedarf austauschen. Den drei Ordnern kannst du auf dem Mac sprechende Farben geben wie z.B. Blau für den Hauptordner, Orange für dein Lieblingsprojekt und Grün für ein Projekt, das florieren soll (per Rechtsklick farbig taggen). Klar passiert es, dass sich im täglichen Geschäft einzelne Dateien auf dem Schreibtisch verbreiten. Wichtig ist nur, dass du einen definierten Ort hast, an welchen du sie bei Bedarf schnell aufräumen kannst.

Hintergrund & Gut zu wissen: Wenn wir viele Informationen auf einmal sehen, protestiert unser Gehirn und sagt: Anstrengend! Was zum Teufel soll ich nochmal tun? Das Gehirn liebt die Vereinfachung in Form von Strukturen und Mustern. Je leichter etwas zu erfassen ist, desto eher sagt unser Gehirn „Ja!“ zum Vorhaben. Das wollen wir nützen, denn wir wollen schließlich mit unserem Gehirn arbeiten und nicht dagegen.